Die Schweiz gehört mir

Es ist zugegebenermaßen einige Jahre her, als ich mich im internationalen Fernverkehr tummelte. Ich fuhr damals einen sogenannten „Jumbo-Zug“, also ein Lkw, der weniger auf hohes Ladungsgewicht, sondern viel mehr auf Volumen ausgelegt ist.

Eine der Routen führte über die Schweiz nach Italien. Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber damals wurde ich gefühlt ständig von der Polizei kontrolliert. Bis 2001 lag die Obergrenze für Nutzfahrzeuge in der Schweiz bei 28 Tonnen, also durfte ich mit meinem „leichten“ Gefährt durchaus die Schweiz als Transitland „benutzen“.

Erlebnisse in der Schweiz
Die Schweiz – mein Land.

Eine Tour führte mich ins italienische La Spezia, die Hauptstadt der norditalienischen Provinz Ligurien. Toilettenpapier galt es zu laden. Na, da kann ja unterwegs nichts schief gehen…..

Der Ladevorgang selbst verlief für mich völlig unspektakulär, denn vier italienische Arbeiter wuchteten das Toilettenpapier mit viel italienischem Temperament in meinen Lkw. Das Toilettenpapier war für deutsche Discounter bestimmt – und genau in der erhältlichen Größe wurde es eingeladen. Also als 6er-Pack. Nicht auf Paletten. Lose. Ergo war es mir unmöglich, diese Ladung gewichtsmäßig zu kontrollieren. Gut, ich hätte einfach ein so ein 6er-Paket wiegen sollen, dann daneben stehen und zählen, was eingeladen wurde. Aber erstens war ich zu unerfahren, zweitens ging der Ladeprozess rasend schnell und drittens ging ich von soliden Frachtpapieren aus.

Die Rückfahrt durch Italien – passt. Die Schweiz kam. Mit ihr die gefürchteten Waagen, um das Gewicht der Lkw zu kontrollieren. Die Kelle der Polizei kam, die Waage wartete. Meine Papiere waren in Ordnung. Das Gewicht meines Lkws leider nicht. Ich diskutierte, ich tobte, ich brüllte – interessierte niemand. Einer der Beamten meinte nur lapidar, dass ich eben eine Palette weniger hätte laden sollen. Ich bekam Schnappatmung! Ich zeigte meine Ladung und erntete Lachen und blöde Sprüche.

  • 100 Franken, bitteschön.
  • Kein Geld mehr, Idiot!
  • Dann vielleicht ein Kollege?
  • Klar, die haben nichts anderes zu tun, als mich hier auszulösen.
  • Dann machen Sie mal ein Parkerli auf dem Parkplatzli!

Zornesbebend rief ich meinen damaligen Arbeitgeber an. Gutmütiges Gelächter, sofortige Anweisung von dem Geld und gleich die Ankündigung, das Geld werde natürlich von meinem Lohn einbehalten. Natürlich. Selbstverständlich. Resignation.

Eine andere Geschichte ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Damals musste man beim Grenzübertritt Italien – Schweiz aus einem Automaten irgendeinen Wisch ziehen und einige Angaben darauf machen, etwa das Kennzeichen und den Kilometerstand. An besagtem Tag parkte ich meinen Lkw recht weit hinten auf dem Grenzparkplatz. Ich schaute auf den Kilometerstand und trabte los. Flugs alles am Automat eingeben, Zettel ziehen und und schnell wieder zurück. An der Durchfahrt dann das böse Erwachen: ein Zahlendreher. Bitte, zur Seite fahren. 100 Franken bitte. Resignation.

Und wer einmal mit seinem zugelassenen Zug, dessen Höhe die vier Meter überschreitet, die Grenze passierte und vermessen wurde, weiß, was anstand. 100 Franken, bitteschön.

Die Schweiz – dennoch ein tolles Land

Um hier Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich ist der Fahrer verantwortlich für seine Ladung. Natürlich muss er seine Dokumente richtig ausfüllen. Dennoch behaupte ich mal, dass es nur wenige Berufszweige gibt, bei denen Fehler dermaßen ans Geld gehen. Bei Überladung verstehe ich drastische Strafen. Überladung kann gefährliche Folgen nach sich ziehen. Doch worin liegt der Sinn, wenn ich mit einem 4,09 Meter hohen – zugelassenen – Lkw mit Festaufbau am Grenzübergang Bargen (Schweiz – Deutschland) vermessen werde, 100 Franken bezahle und dann weiterfahren darf? Habe ich den Lkw in dieser Höhe gebaut? Habe ich die Zulassung erteilt? Warum muss ich als Fahrer für so etwas bezahlen? Das entzieht sich meinem Verständnis.

Wie es heute ist, weiß ich nicht. Ich fahre innerdeutsch und besuche die Schweiz nur noch in privater Mission. gerne dürft ihr im Kommentarfeld eure Erlebnisse reinschreiben, ich freue mich!

Martina

Martina

Hier blogge ich aus meinem einstigen Alltag. Auf meinem truckerblog nehme ich Dich mit auf die Reise, stelle Dir tolle Produkte vor und biete einige Tipps aus meinem langjährigen Erfahrungsschatz.
Martina

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2 Kommentare zu Die Schweiz gehört mir

  1. Zur Schweiz fält mir folgendes ein: Dieselbeschränkung, Nachtfahrverbot, Vorverzollung, Oberhasli, Murexin, Swisspor, 27 Tonnen Beschränkung, Landesweite Maut, Strafe wegen heranziehen falscher Tatsachen und Irreführung der Behörde, Baustellen suchen und vor allem finden, enge Landstraßen, Freundliche Menschen, vier Sprachen, teures Essen, genaue Kontrollen am Zoll, Gondrand,…

    • Hi Martin,

      lach – zur Schweiz fällt mir noch viel mehr ein, es ist nur nicht druckreif…aber freundliche Menschen, das stimmt, meistens jedenfalls.

      LG

      Martina

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