Raststätten – Pinkelmaut

Toiletten
Ganz so schlimm ist es nicht....

Über die meisten unserer Raststätten entlang der deutschen Autobahnen könnte ich seitenweise schreiben. Der Mensch wird an diesen sehr speziellen Örtlichkeiten nicht als “homo sapiens” betrachtet, sondern als Geldbringer. Nicht nur das völlig überteuerte Essen oder der unfreundliche Service spielen mit. Als Reisender muss man (leider) auf die Örtlichkeiten entlang der Autobahn ausweichen, besonders dann, wenn man wie ich, viel Kaffee trinkt….

Autobahn
Wer lange unterwegs ist, muss auch mal.

Beispiel Toilette: Ich verstehe es, die Toiletten können nicht regelmäßig gereinigt werden, schließlich kann das zuständige Personal nicht zeitgleich die Toilette reinigen UND aufpassen, dass auch alle Gäste brav zahlen. Welch Frevel, wenn sich da einer durchschmuggelt, ohne zu bezahlen! Kürzlich sprach ich den Mitarbeiter einer Sanifair-Toilette an. Keine der drei Toiletten war benutzbar. Seine Antwort: “Ich muss aufpassen, dass hier alle zahlen”. Aha. Für was bezahlte ich die Pinkelmaut? Dafür, dass ich keine Toilette nutzen konnte? Dafür, dass ich mir mit dem eiskalten Wasser nicht die Hände waschen konnte? Seine Antwort: Schulterzucken.

Hygieneeinrichtungen auf Raststätten

Pfui Deibel. Das fällt mir meist zuerst ein, wenn ich an Hygieneeinrichtungen an unseren Raststätten denke. Duschen? Natürlich! 3 Euro und dafür darfst Du auch in den Schaum Deines Vorgängers steigen. Das passiert zumindest am Abend – aus diesem Grund sah man mich niemals abends eine Dusche an einer Raststätte oder auf einem Autohof aufsuchen. Die Kollegen stehen Schlange, es wird kassiert. Fertig. Ist die Dusche gereinigt? Selbstverständlich, aber doch nicht nach jedem einzelnen Duschgast.

Einmal passierte es mir, dass ich zum Duschen eine Wertmarke erhielt. Zum Duschen ist leicht übertrieben, denn ich sprang unter der vermeintlichen “Dusche” wild hin und her, um auch mal einen winzigen Wasserstrahl zu erhaschen, der sich müde aus dem Duschkopf quälte. Die Kalkschicht auf selbigem hätte mich eigentlich schon misstrauisch werden lassen müssen. Ich bin kein “Langsam-Duscher” – aber mit dem Tempo der Dusche konnte ich nicht mithalten. Schaum auf dem Kopf – Wasser aus. Wertmarke zu Ende. Zum Glück befand sich im gleichen Raum noch ein kleines Handwaschbecken. Mit kaltem Wasser.

Kaltes Wasser – durchblutungssteigernd

Der Job als Lkw-Fahrer ist nicht von Sauberkeit geprägt. Umso schlimmer, wenn man nicht mal auf den Raststätten die Möglichkeit hat, sich die Hände anständig zu waschen. Da hilft es auch nichts, die Desinfektionssprüher zu benutzen, die von Sanifair zur Verfügung gestellt werden. Draußen herrschen eisige Temperaturen und das Wasser an den Handwaschbecken der Toiletten ist bei den meisten Einrichtungen auch eiskalt. Das ist doch kein Service! Immerhin kostet mich der Toilettenbesuch 70 Cent – auch wenn ich dafür beim Verzehr 50 Cent wieder vergütet bekomme.

Eis
Hände waschen mit eiskaltem Wasser – häufig Standard.

Eine ganz einfache Rechnung

Bei Sanifair bezahlt man 70 Cent, um überhaupt die Örtlichkeit aufsuchen zu dürfen. 50 Cent werden per Wertbon erstattet, ergo bezahle ich faktisch 20 Cent. Bei Nicht-Sanifair bezahlt man bitteschön 50 Cent und bekommt nichts davon zurück. Bleiben wir bei 20 Cent.

Sehr klein gerechnet, gehen pro Minute zwei Menschen zur Toilette einer der Raststätten. Im Sommer zur Urlaubszeit sind es deutlich mehr und nicht zu vergessen, die ganzen Busladungen voller aufgeregter, schwatzender Menschen.

Somit denke ich, zwei Menschen pro Minute ist solide hochgerechnet.

In der Stunde: 60 Minuten x 40 Cent = 24 Euro.

Innerhalb von 12 Stunde = 288 Euro.

Innerhalb von 24 Stunden = 576 Euro.

Dass die Mitarbeiter der Toilettenreinigung nicht fürstlich bezahlt werden, ist allgemein bekannt. Zieht man nun noch die Betriebskosten ab, bleibt immer noch ein stattlicher Betrag übrig. Und dafür gibt es nicht mal warmes Wasser. Ich weiß, dass der Job nicht einfach ist. Es gibt Menschen, die möchte ich nicht mal als “Schweine” betiteln, denn Schweine sind saubere Tiere. Menschen nicht. Das ist mir durchaus klar. Aber es wird nun mal damit geworben, dass alles super-duper-hygienisch-einwandfrei ist. Und dann ärgert es mich, wenn die Reinigungskraft gelangweilt im Eck steht, um aufzupassen, dass alle zahlen und in den Toiletten siehts aus wie… – keine druckreifen Worte.

Toiletten
Ganz so schlimm ist es nicht….

Servicewüste Raststätte

Natürlich, ich will hier nicht nur lästern, es gibt auch Raststätten, die mit warmem Wasser punkten, die sauber sind und wo man von den Leuten hinter der Theke freundlich bedient wird. Aber es ist die Ausnahme. Ich frage mich immer, wenn ich einem besonders unfreundlichen “Exemplar” gegenüberstand: “Hat die Person ihren allerersten Kunden auch so unfreundlich behandelt?” Und ja, mir ist bewusst, das nicht alle Gäste unbedingt angenehm sind. Dennoch erwarte ich ein gewisses Maß an Höflichkeit und Freundlichkeit. Ich möchte nicht das Gefühl haben, ich störe, wenn ich mich der Kasse nähere.

Beispiel einer Sendung über Autohöfe

Im Fernsehen wurde mal eine Dokumentation über Fernfahrer und Autohöfe ausgestrahlt. Entlang der A 8 – zwischen Ulm und München – befindet sich ein relativ großer Autohof. Eine der dort beschäftigten Damen (oder war es die Besitzerin? Ich weiß es nicht mehr) wurde gefragt, was die Fernfahrer am Abend kaufen würden. Ihre Antwort: “Ein Sixpack Bier und Pornos”. Die erstaunte Nachfrage des Moderators: “Alle?” Die sinngemäße Antwort ließ darauf schließen, dass alle Fernfahrer am Abend sich nen Sixpack reinziehen und dabei ein Porno schauen. Um ehrlich zu sein, ich habe schon Fahrer gesehen, die den “Spiegel” an der Kasse bezahlten, die die Zeitung”Welt” lasen (auch wenn das herrlich doofe Blättchen mit den vier Buchstaben natürlich Nummer 1 ist) oder die sich am Abend einfach mit Kollegen unterhielten.

Damals habe ich mich so über das klischeehafte Denken aufgeregt, dass ich den Autohof nie mehr aufsuchte. Aber mittlerweile lernte ich, mit Klischees in unserem Job umzugehen. Aber ich denke, das wird ein neuer Artikel.

Hund
Vorurteile – sie begegnen uns oft.

Raststätten in Deutschland

Wie eingangs erwähnt, suche ich nur aus zwei elementaren Gründen eine Raststätte auf: Wenn sich die Dieselanzeige dem Ende nähert und wenn ich ein stilles Örtchen aufsuchen muss. Leider ist dieses oft nicht so still – aber wenn es denn sauber ist, freue ich mich ja schon. Hätte ich ein Unternehmen mit Kundenverkehr – eines weiß ich sicher: Personal, das kein “Bock” auf die verschiedenen Typen von Menschen hat, das nicht zurückgrüßt, wenn eine Kunde zur Tür hereinkommt, das pampig reagiert, wenn ein ausländisch sprechender Kunde nicht gleich versteht, wie das Bezahlsystem funktioniert – auf solches Personal würde ich verzichten.

Und komme mir niemand damit, die verdienen ja so wenig! Was hat das damit zu tun? Als sie den Arbeitsvertrag unterzeichneten, wussten sie um die Gehaltsstruktur. Und beim Vorstellungsgespräch sagte sicher kein Bewerber: “Ja, für das bisschen Geld mache ich den Job – bin dafür eben unfreundlich”. Nein, wer sich als Servicekraft bewirbt, weiß, auf was er sich einlässt. Er weiß auch, dass viele Kunden doof sind. Er weiß auch, dass es nicht immer einfach ist. Aber das ist nun mal der verdammte Job, den es zu machen gilt.

 

 

Martina

Martina

Hier blogge ich aus meinem einstigen Alltag. Auf meinem truckerblog nehme ich Dich mit auf die Reise, stelle Dir tolle Produkte vor und biete einige Tipps aus meinem langjährigen Erfahrungsschatz.
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