Rettungsgasse – was ist denn so schwer daran?

Rettungsgasse

Hier auf dem truckerblog war eine Weile nichts los. Das lag einfach daran, dass ich mich neu orientiert, sondiert, gecheckt, geprüft und belesen habe. Doch an einem Thema kommt man derzeit überhaupt nicht mehr vorbei – die Rettungsgasse. Ehrlich – ich kann es nicht verstehen, was ist denn so schwer daran? Schaun mer mal.

Die Rettungsgasse im Wandel der Zeit

Ich selbst fahre seit rund 30 Jahren Pkw und Lkw. Früher war es häufig so, dass als Rettungsgasse der Standstreifen diente. Doch ein Blick auf die Gesetzeslage zeigt, dass die Rettungsgasse eigentlich schon immer Bestandteil der StVO war und da stand nie was vom Standstreifen, siehe Wikipedia: :

Die Rettungsgasse gab es in den alten Bundesländern seit Inkrafttreten der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) am 1. März 1971 mit der Bezeichnung „freie Gasse“ und galt anfangs nur auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen. Die Bezeichnung der „freien Gasse“ wurde bei allen darauf folgenden Änderungen der Straßenverkehrsordnung bis heute beibehalten.

„Stockt der Verkehr auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen, so müssen die Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte der Fahrbahn eine freie Gasse bilden.“

§ 18 Abs. 9 StVO 1971

Mit Wirkung vom 1. Juli 1992 wurde die gesetzliche Verpflichtung, bei stockendem Verkehr für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen eine freie Gasse zu bilden, auch auf Außerortsstraßen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung ausgedehnt und war im § 11 Abs. 2 StVO geregelt.

„Stockt der Verkehr auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung, so müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte der Richtungsfahrbahn, bei Fahrbahnen mit drei Fahrstreifen für eine Richtung zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen, eine freie Gasse bilden“

§ 11 Abs. 2 StVO 1992

Seit 14. Dezember 2016 lautet der § 11 StVO:

„Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“

Quelle: Wikipedia.

Die Rettungsgasse, wie sie sein soll

Kürzlich las ich einen amüsierten Beitrag einer Facebook-Freundin, die sich köstlich darüber ausließ, dass all die “Idioten” eilig nach rechts und links ranfuhren, nur, weil es ein wenig stockte, dabei war da doch gar kein Unfall. Glückwunsch, ich bin mit einer Hellseherin “befreundet”, denn woher konnte die Dame beim Ranfahren an das Ende des stockenden Verkehrs wissen, was sich vielleicht zwei Kilometer weiter vorne abspielt? Genau das ist der Grund, warum immer, immer und immer dann eine Gasse gebildet werden soll, wenn der Verkehr ins Stocken gerät.

Eigentlich eine einfache Rechnung: Es knallt. Die ersten Autos und Lkw stehen (hoffentlich) gleich. Doch von hinten schließen unfassbar viele Fahrzeuge auf, spätenstens das 20. dürfte schon Schwierigkeiten haben zu erkennen, ob der stockende Verkehr durch einen Unfall oder durch eine normale Überlastung zustande kam. Deswegen ist es doch ganz easy, kostet nix und kann vielleicht Menschen (-und Tier)leben retten.

So soll es sein:

Dieses Video entstand in rund 1.000 Stunden, hergestellt und produziert vom Hamburger Miniatur Wunderland. Super gemacht! Dauert rund zwei Minuten und lohnt sich zum Gucken. Leider halten sich auch viele meiner “Ex-Kollegen” nicht daran – eine Schande für den ganzen Berufsstand! Gerade mit dem Lkw, als Berufskraftfahrer erfüllt man eine Vorbildfunktion. Wer mit seinem  18 Meter langen Zug in die Rettungsgasse fährt, der weiß, dass er nicht einfach wieder in eine kleine Lücke zurück kann.

Die Rettungsgasse, wie sie nicht sein soll

Es sind nicht immer nur die Pkwler, die die Gasse zum flotten Vorwärtskommen nutzen, allzu oft sind es auch die hirnlosen Möchte-gern-Trucker, die man meiner Meinung nach aus dem Führerhaus ziehen und ihnen erst mal Hofdienst zuweisen sollte. Denn mit verantwortungsvollem Fahren hat das nichts zu tun – gerade als Berufskraftfahrer weiß man, wie es geht. Wer es also dennoch nicht macht, hat weder Empathie noch Interesse an Mitmenschen. Solches Gesindel hat nichts in einem Fahrzeug verloren.

Beispiel: Gerne:

 

Kopf-auf-den-Tisch-klatsch – was ist mit dem Fahrer / der Fahrerin nicht richtig? Was ist, wenn er/sie selbst betroffen ist? Wenn er in seinem Führerhaus schwer verletzt liegt und auf Hilfe angewiesen ist? Vielleicht fände dann ein Umdenken statt, wenn es nicht zu spät wäre. Früher gab es mal immer wieder das alte Zitat

“Was du nicht willst, was man dir tu, das füg´ auch keinem anderen zu”.

Würden wir generell ein kleines bisschen nach diesen alten Worten handeln, wäre die Welt und auch die Strasse ein besserer Ort. Vor allem habe ich mir häufig Folgendes überlegt: Ich schaffe beispielsweise eine grüne Ampel nicht mehr und muss bremsen. Darüber konnte ich mich furchtbar ärgern. Doch schon wenige Stunden später war es völlig egal, ob ich an dieser einen Ampel stand oder nicht. So gesehen, ist das pure Energieverschwendung. Das Gleiche gilt bei einem Stau oder bei stockendem Verkehr: Ich kann es doch nicht ändern, es ist, wie es ist – ob ich mich darüber ärgere oder nicht. Also, Kaffe kochen und chillen, bis es weitergeht und hoffen, dass keine Menschen oder Tiere “da vorne” zu Schaden kamen.

1 Kommentar zu Rettungsgasse – was ist denn so schwer daran?

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