Wie Du mit Deinem Lkw gut durch den Winter kommst

Lkw im Winter

Der Winter ist eine tolle Jahreszeit, außer man sitzt im Lkw und kämpft gegen allerlei Umstände. „Behinderungen durch Querstehende Lkw“ – jeden Winter geistern diese Meldungen mindestens halbstündlich durch die diversen Radio-Verkehrsmeldungen. Und oft sind es die vermeintlich wissenden Nichtsahner, die sofort den Grund dafür ausmachen können: Der Trucker fährt mit Sommerreifen. So ein Schmarrn.

Mit dem Lkw durch den Winter
Mit dem Lkw durch den Winter

Die besten Winterreifen unter dem Bock nützen nichts, wenn es die Steigung nicht hergibt, dass ein ausreichender Kraftschluss zwischen Reifen und Straßenbelag hergestellt werden kann. Dazu benötigt der Lkw unter anderem Gewicht auf der Achse. Ansonsten drehen die Antriebsräder durch. Und nicht jeder Lkw fährt beladen durch die Lande.

Vom Märchen der Sommer- und Winterbereifung der Lkw

Und noch etwas: Sommerreifen wie sie vom Pkw her bekannt sind, gibt es für den Lkw nicht. Aufgrund der hohen Belastung besteht ein Lkw-Reifen aus einer Gummimischung mit einem hohen Naturkautschukanteil. Und genau dieser hohe Anteil macht einen Lkw-Reifen immer mit einem Winterreifen für den Pkw vergleichbar. Und nein, ich spreche nicht von den Trucks, deren Reifen so abgefahren sind, dass man überhaupt kein Profil mehr erkennen kann.

Natürlich gibt es auch Fahrer, die schlicht einen Fahrfehler machen. Na und? Lkw Fahrer sind und bleiben Menschen, die durchaus auch Fehler machen. Mit einigen Tipps und vor allem viel Ruhe kommen wir hoffentlich alle gut durch den Winter. Und wenn sich Kollegen am Funk mal daran zurückerinnern, wie ihr erster Winter im Lkw war, die halten sich vielleicht auch mit ihrem Geschrei zurück, wenn ein langsam fahrender Kollege Umsicht und Verantwortungsbewusstsein zeigt.

8 Tipps, um mit dem Lkw gut durch den Winter zu kommen

  1. Um auf glattem Straßenbelag anzufahren, benutze sowohl Kupplung als auch Gas sachte und mit viel Gefühl. So vermeidest Du Schlupf (ein minimales Durchdrehen der Reifen).
  2. Bergab bei glatter Fahrbahn gleicht oft einem Himmelsfahrtkommando. Nutze weder die Retarder- noch die Motorbremse. Denn nur die Betriebsbremse wirkt auf alle Achsen. So erreichst Du, dass sich die Bremskraft optimal verteilt.
  3. Bricht der Auflieger oder Anhänger aus – Nerven behalten. Das hört sich sich so einfach an, ich weiß. Doch oft hilft bei einem Ausbrechen nur noch eines: Gas geben, damit sich das Gespann wieder streckt.
  4. Dein Brummi hat sich festgefahren. Blöde Situation. Als ich mal feststeckte, kam doch tatsächlich eine Dame aus dem Pkw hinter mir angetrabt und kreischte mich an, ich solle sofort weiterfahren. In einem völlig unbefahrbaren Industriegebiet wohlgemerkt. Sie hat es dann irgendwann geschafft, einen Meter rückwärts zu fahren und an mir schimpfend und schnaubend vorbeizukommen.
  5. Zurück zum Thema: Versuche, Deinen Lkw mit Schaukeln frei zu bekommen. Immer kurz abwechselnd vorwärts und rückwärts „schaukeln. Dadurch kann eine kleine Mulde entstehen, die Dir die Weiterfahrt mit Glück ermöglicht.
  6. Tipp: bei Nässe und drohendem Frost stelle ich mich zum Feierabend nicht einfach hin, Handbremse rein und fertig. Nein, ich schaukel auch dann kurz vor und zurück, damit vermeide ich (hoffentlich), dass mir die Reifen festfrieren. Ich kümmere mich quasi zu beginn des Feierabends bereits um meine „Mulde“ – wer weiß, was in der Nacht kommen mag.
  7. Dir reicht Dein Bremsweg nicht – fatal. Bevor Du auf Deinen Vordermann auffährst, schau, dass Du in den Acker kommst. Das hört sich im ersten Moment zwar blöd an, doch bevor womöglich jemand zu Schaden kommt, soll lieber der Lkw im Acker landen. Und Studien zeigen, dass man in der Regel genau dahin fährt, wo man hinschaut – ergo schau in den Acker und keinesfalls zu Deinem Vordermann, auf den Du aufzufahren drohst.
  8. Die wichtigste Regel lautet jedoch: Lasse Dich keinesfalls hetzen! Weder von dummen Kollegen, noch von der Zeit. Termindruck gibt es in brenzligen Situationen nicht. Und wenn es zu gefährlich ist, fahr raus und warte auf den Räumdienst. Aus Angst am Steuer wird Unsicherheit. Unsicherheit führt zu unbedachten Handlungen. Und unbedachte Handlungen führen zu Unfällen. Also – mit Besonnenheit kommst Du sicher ans Ziel – auch wenn es länger dauert!

Allzeit gute Fahrt!

Martina

Martina

Hier blogge ich aus meinem einstigen Alltag. Auf meinem truckerblog nehme ich Dich mit auf die Reise, stelle Dir tolle Produkte vor und biete einige Tipps aus meinem langjährigen Erfahrungsschatz.
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